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Erbengemeinschaft – Infos, Haus, Rechte & Pflichten

  • Redaktion Erbrechtsinfo.at
Erbengemeinschaft sitzt zusammen
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Was ist eine Erbengemeinschaft und was bedeutet diese? Die Definition einer Erbengemeinschaft besagt, dass eine Erbengemeinschaft vorliegt, sobald mehrere gemeinsam Erben. 

In diesem Zusammenhang spricht man auch von der Gesamthandsgemeinschaft, die von allen Erben zusammen gebildet wird. Diese bewirkt, dass der Einzelne nicht über das gemeinsame Vermögen verfügen kann und die Vermögensübertragung in der Gemeinschaft behandelt werden muss.

Auch über seinen eigenen Anteil kann er nicht alleine verfügen. Somit wird das Vermögen gemeinsam verwaltet und nachdem alle Nachlassverbindlichkeiten beglichen wurden wird das Vermögen unter den Erben anteilsmäßig aufgeteilt. Dabei kann der eine mehr Anteile als der andere haben.

Alles gehört der Erbengemeinschaft gemeinsam

Die Schwierigkeit einer Erbengemeinschaft besteht darin, dass alle gemeinsam über das Erbe entscheiden. Das bezieht sich auf alle Nachlassgegenstände. Jeder hat ein Vetorecht, egal wie groß der laut Testament oder Gesetz zustehende Anteil ist. An vielen Dingen hängen bei verschiedenen Erben gleichzeitig Erinnerungen.

Konflikte sind daher bei Erbengemeinschaften nicht selten, da sich in der Regel ein Erbe übergangen fühlt.

Wenn die Erbengemeinschaft ein Haus geerbt hat und Reparaturen am Haus stehen an, kann per Mehrheitsbeschluss die Reparatur entschieden werden. Sollten beide Seiten gleich viele Stimmen haben, bleibt der Partei, die für die Reparatur ist, nur, per Richterlichem Beschluss die Zustimmung einzuklagen. Solche Reparaturmaßnahmen sind sogar gesetzlich geregelt unter dem Begriff Verwaltungshandeln.

Dabei gibt es drei Arten von Verwaltungshandeln:

  • Sofern es für alle Erben eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, dass eine Maßnahme ergriffen wird und die Erben alle dafür plädieren, spricht man von einer außerordentlichen Verwaltung
  • Bei einer notwendigen Verwaltung könnte ein Erbe sogar ohne den Rest der Erbengemeinschaft alleine entscheiden, um mit der Maßnahme Schaden vom Erbe abzuwehren.
  • Die dritte Art einer Verwaltungshandlung ist die ordnungsmäßige Verwaltung bei der eine Mehrheitsbeschluss notwendig ist, um diese durchzusetzen. Die ordnungsmäßige Verwaltung bezieht sich auf die Beschaffenheit des betreffenden Erbgegenstandes und würde zum Beispiel wie oben beschrieben Reparaturmaßnahmen an einem gemeinsam geerbten Haus betreffen.

Eigenen Erbteil in der Erbengemeinschaft verkaufen

Seinen eigenen Erbteil kann man verkaufen. Entweder man verkauft den eigenen Erbteil an einen Miterben der Erbengemeinschaft oder verkauft seinen Anteil an eine außenstehende Person. Beide Varianten können der Erbengemeinschaft in ihrem Handeln nützlich sein.

Wird der Anteil an einen Miterben verkauft, gibt es im Nachhinein weniger Stimmen und Maßnahmen können leichter abgestimmt werden da es ein Vetorecht weniger gibt. Wenn der Anteil an eine außenstehende Person verkauft wird, kann diese Person unter Umständen etwas Sachlichkeit in die Entscheidungsfindungen einbringen.

Auflösung der Erbengemeinschaft

Der Glücksfall ist es, wenn sich die Erbengemeinschaft von Anfang an einig darüber ist, wie das Erbe aufgeteilt werden und wer welche Gegenstände erhalten soll. Sind alle Anteile verteilt, ist die Erbengemeinschaft auch aufgelöst. Dafür ist eine Auseinandersetzung Grundlage, die von einem Testamentvollstrecker oder Nachlassgericht übernommen werden kann.

Lässt sich ein Erbe vorzeitig von der Erbengemeinschaft mit einer Abfindung ausbezahlen, spricht man von Abschichtung. Die Erbengemeinschaft besteht danach mit einer Stimme weniger weiter.

Leider ist es aber oft so, dass Erbengemeinschaften viel zu lange bestehen bleiben, da einfach keine Einigung gefunden wird.
In solche einem Fall ist es unbedingt ratsam, dass sich die Erbengemeinschaft einen Mediator zur Hilfe nimmt, der unparteiisch dazu beitragen kann, dass die Lösung gefunden wird.

So gehen Sie in einer Erbengemeinschaft am besten vor:

1. Wie groß ist der Nachlass der Erbengemeinschaft?

Um den Wert oder Schaden des Erbes zu kennen, muss man sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Welche Konten hatte der Verstorbene, ist die Immobilie eventuell mit Schulden belastet, welche Versicherungen oder Lebensversicherungen gibt es? Wenn der Verstorbene verschuldet war, sollte das Erbe ausgeschlagen werden. 

Mit dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll des Testaments können Sie bei den Banken und Versicherungen Einblicke erhalten. Gab es in der Vergangenheit einen Vermögensverwalter, ist dieser zur Auskunft über das Vermögen verpflichtet.

2. Schulden bezahlen

Die Erbengemeinschaft muss zuerst die Gläubiger des Verstorbenen bezahlen. Sollte kein Kapital vorhanden sein, können auch Erbgegenstände zu diesem Zweck veräußert werden. In manchen Fällen auch durch eine Zwangsversteigerung.

3. Schenkungen im Vorfeld müssen berücksichtigt werden

Alle Erben sind auskunftspflichtig über zu Lebzeiten des Verstorbenen erhaltene Schenkungen. Diese kann unter Umständen ausgleichspflichtig sein. Dieser Umstand führt zu einer Erhöhung der Erbmasse und wird von dem Erbanteil des Beschenkten abgezogen. 

Jeder Miterbe ist verpflichtet, den anderen Erben auf Verlangen Auskunft zu geben über die Zuwendungen und Geschenke, die er vom Erblasser bereits zu Lebzeiten bekommen hat. 

Hat eines von mehreren Geschwisterkindern vom verstorbenen Elternteil zum Beispiel schon zu Lebzeiten ein Grundstück zur Gründung eines Unternehmens bekommen, kann die Schenkung ausgleichspflichtig sein. Der Ehepartner des Verstorbenen ist von der Ausgleichspflicht befreit.

4. Pflegeleistungen eines Erbteils müssen berücksichtig werden

Der Erbteil eines Miterbens kann erhöht werden, sollte dieser unentgeltliche Pflegeleistungen am Verstorbenen erbracht haben. Der betreffende Miterbe muss diesen Anspruch gegenüber der Erbengemeinschaft aktiv einfordern. 

Dies kann auch unentgeltliche Leistungen im Unternehmen des Verstorbenen betreffen. Der Fachbegriff dafür nennt sich Pflegevermächtnis.

5. Teilbare Gegenstände des Erbes

Bargeld kann unter den Erben der Erbgemeinschaft am leichtesten dem Erbanteilschlüssel nach aufgeteilt werden. Die Verteilung der Sachgegenstände muss abgesprochen werden.

6. Unteilbare Gegenstände des Erbes

Schaffen die Erben es nicht einen unteilbaren Gegenstand einem Erbe zuzuteilen, da zum Beispiel mehrere Erben Anspruch auf den Gegenstand erheben, muss der Gegenstand verkauft werden. Soll ein Erbteil die Immobilie erhalten, muss die notariell beurkundet werden. Bei anderen Gegenständen ist das nicht der Fall. 

Wenn eine Immobilie allerdings veräußert werden soll, und sich die Erben auf keinen Verkaufspreis einigen können, kommt es zu einer Teilungsversteigerung. An der Versteigerung können auch die einzelnen Erben der Erbengemeinschaft mitbieten und so unter umständen einen guten Deal machen.

7. Erbauseinandersetzung oder Mediator?

Die Alternative zu einer Erbauseinandersetzung ist das Aufsuchen eines Mediators. Bei der Erbauseinandersetzung verklagt ein Erbe die anderen Erben vor einem Zivilgericht mit einer Erbauseinandersetzungsklage, um die Erbgemeinschaft aufzulösen und das Erbe aufzuteilen. Der Mediator versucht als außenstehende Person die Parteien zu einer Lösung zu führen. 

Mit dem Mediator werden mehrere Termine vereinbart, bei denen die Lösung mit Hilfe unterschiedlicher Mediation Phasen, in denen unterschiedliche Ziel festgelegt werden, zu erreichen versucht wird. Die Mediation ist keine Garantie aber eine sicherlich günstigere und friedlichere Lösung als eine Erbauseinandersetzung vor Gericht.

Die Erbengemeinschaft erbt ein Haus

Eine Immobilie ist immer ein heikles Thema in einer Erbengemeinschaft. Dabei hat meist jeder andere Interessen. Verkauf, Vermietung oder Eigennutzung? Im schlimmsten Fall wird die Immobilie durch eine Teilungsversteigerung in Geld umgewandelt. Im guten Fall ist sich die Erbengemeinschaft darüber einig, ob die Immobilie verkauften werden soll oder was mit ihr geschehen soll. Kein Erbe kann alleine entscheiden, was mit der Immobilie geschehen soll.

Bevor allerdings gehandelt wird, muss das Grundbuch der Immobilie geändert und die Erbengemeinschaft eingetragen werden. Es ist möglich die Grundbucheintragung der Erbengemeinschaft für das Haus für zwei Jahre kostenlos vorzunehmen.

Tipps für Erben einer Erbengemeinschaft

  • Als erstens einen Überblick über den Wert des Erbes machen
  • Klären Sie für sich was Sie aus dem Erbe haben wollen und prüfen wo die Interessen Ihrer Miterben liegen. Je mehr jeder weiß, was die anderen wollen kann besser verhandelt werden.
  • Suchen Sie sich einen Anwalt mit dem Sie Ihre Strategie besprechen können
  • Machen Sie sich bei jeder Verhandlung klar, wie lange es dauern könnte, wenn es zu keiner Einigung kommt und von einer der Parteien der Erbengemeinschaft eine Erbauseinandersetzungsklage eingereicht wird.
  • Zeigen Sie aber auf der anderen Seite die Bereitschaft zu einer gerichtlichen Einigung, um Ihre Position zu stärken denn den anderen geht es unter Umständen mehr als Ihnen um eine schnelle Einigung
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