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Pflichtteil für Geschwister in Österreich – Wieviel Anspruch haben Bruder und Schwester?

  • Redaktion Erbrechtsinfo.at
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Im österreichischen Erbrecht ist die gesetzliche Erbfolge klar geregelt. Welche Rolle Geschwister innerhalb der gesetzlichen Erbfolge spielen und ob es einen Pflichtteil für Geschwister gibt, möchten wir Ihnen im Folgenden ausführlich erklären. 

Wenn Sie in Erbangelegenheiten persönliche Unterstützung benötigen, nehmen Sie Kontakt zu einem Rechtsanwalt für Erbrecht auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt keinen Pflichtteil für Geschwister; sowohl die Brüder als auch die Schwestern eines Erblassers sind nicht pflichtteilsberechtigt.
  • Geschwister haben einen gesetzlichen Erbanspruch innerhalb der gesetzlichen Erbfolge.
  • Geschwister gehören zur zweiten Parentel, also der zweiten der insgesamt vier Erblinien.
  • Innerhalb der gesetzlichen Erbfolge erben Geschwister nur dann, wenn aus der ersten Parentel niemand mehr lebt.
  • Innerhalb der zweiten Parentel gilt das Prinzip „alt vor jung“: Geschwister erben erst dann, wenn die Eltern des Erblassers verstorben sind oder nur noch ein Elternteil lebt.
  • Geschwister können über die gesetzliche Erbfolge hinaus durch einen Erbvertrag oder ein Testament bedacht werden.
  • Eine Schenkung an Geschwister zu Lebzeiten des Erblassers ist mithilfe eines Schenkungsvertrages möglich.

Erbrecht in Österreich bei Geschwistern

Die Erbfolge in Österreich ist, wie unten weiter ausgeführt, in vier Parentel gestaffelt. Demnach gibt es die Erben erster, zweiter, dritter und vierter Ordnung. Grundsätzlich zu beachten ist, dass die Erben der nächsten Ordnung immer nur dann zum Zug kommen, wenn aus der vorherigen Ordnung niemand mehr vorhanden ist.

Wie sieht die gesetzliche Erbfolge in Österreich bei Geschwistern aus?

Geschwister werden in Österreich innerhalb der gesetzlichen Erbfolge berücksichtigt. Wenn vom Erblasser keinen Erbvertrag oder ein gültiges Testament vorliegt, greift automatisch die gesetzliche Erbfolge. Weil die Geschwister des Erblassers aber innerhalb der gesetzlichen Erfolge nicht an erster Stelle stehen, kann es passieren, dass sie leer ausgehen.

Im österreichischen Erbrecht gibt es vier Erblinien, die sogenannten Parentelen. Geschwister gehören zu der zweiten Parentel – und dieses erbt nur, wenn aus der ersten Parentel keine Erben mehr übrig sind. Doch selbst wenn der zweite Parentel zum Zug kommt, erben nicht automatisch auch die Geschwister: Vor den Geschwistern erben die Eltern des Erblassers, falls diese noch leben. Die gesetzliche Erbfolge bei Geschwisternist also klar geregelt.

Haben Geschwister überhaupt Anspruch auf den Pflichtteil?

Grundsätzlich haben Geschwister keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Pflichtteilsberechtigt sind nur die Kinder eines Erblassers und der Ehegatte beziehungsweise die Ehegattin. Gleiches gilt für eingetragene Lebenspartner, die Eheleuten gleichgestellt sind.

Ist ein Kind des Erblassers nicht mehr am Leben, gehen dessen Ansprüche auf die Kinder, also die Enkelkinder des Erblassers, über. Einen Pflichtteil für Geschwister beziehungsweise einen Anspruch auf Erbe für Geschwister gibt es nicht.

Können Geschwister bei der Erbfolge übergangen werden?

Obwohl Geschwister keinen Anspruch auf einen Pflichtteil haben, werden sie innerhalb der gesetzlichen Erbfolge berücksichtigt. Das Erbrecht für Geschwister in Österreich ordnet Geschwister der zweiten Parentel zu. 

Dennoch können Geschwister in der Erbfolge übergangen werden, wenn der Erblasser das wünscht. Wenn der Erblasser ein Testament aufsetzt oder einen Erbvertrag errichtet, in dem Geschwister nicht berücksichtig werden, gehen sie leer aus.

Können Geschwister enterbt werden?

Dass es weder einen Pflichtteil für die Schwester noch einen Pflichtteil für den Bruder gibt, legt bereits nahe, dass eine Enterbung von Bruder und Schwester möglich ist. Die gesetzliche Erbfolge kommt nur zum Tragen, wenn kein Erbvertrag oder Testament vorliegt. 

Selbstverständlich kann der Erblasser auch bestimmen, dass die gesetzliche Erbfolge zum Tragen kommt, aber bestimmte gesetzliche Erben vom Erbe ausgeschlossen werden. Auf diese Weise können Geschwister enterbt werden.

Was erben Geschwister?

Das Erbrecht bei Geschwistern sieht vor, dass Geschwister unter folgenden Voraussetzungen erben:

  1. Aus der ersten Parentel lebt niemand mehr, weswegen der zweite Parentel zum Zug kommt.
  2. Innerhalb der Parentel gilt das Prinzip „alt vor jung“. Deswegen erben zuerst die Eltern des Erblassers zu gleichen Teilen.
  3. Wenn nur noch ein Elternteil am Leben ist, erbt dieser die Hälfte der Verlassenschaft. Die andere Hälfte wird zu gleichen Teilen unter den Nachkommen des verstorbenen Elternteils, also den Geschwistern des Erblassers, aufgeteilt.
  4. Sind beide Elternteile tot, wird die Verlassenschaft zu gleichen Teilen unter den Geschwistern aufgeteilt.

Kann ich als Bruder oder Schwester auf das Erbe auch verzichten?

551 ABGB räumt jedem potenziellen Erben die Möglichkeit ein, im Voraus auf das Erbe zu verzichten. Allerdings sollte man beachten, dass sich ein solcher Verzicht auch auf die Nachkommen auswirkt. Damit der Erbverzicht gültig ist, muss er durch ein gerichtliches Protokoll beurkundet oder mit einem Notariatsakt beschlossen werden.

Ist man als Bruder erbberechtigt?

Die Erbfolge bei Geschwistern wird von der gesetzlichen Erbfolge bestimmt. Als Bruder und Schwester ist man erbberechtigt. Allerdings nur dann, wenn aus der ersten Parentel niemand mehr am Leben ist. Das Erbrecht bei Geschwistern verortet diese in der zweiten Parentel. 

Innerhalb dieser erben Bruder und Schwester, wenn die Eltern des Erblassers nicht mehr am Leben sind. Lebt noch ein Elternteil, erbt dieses die Hälfte; die verbleibende Hälfte wird unter den Geschwistern aufgeteilt.

Haben Halbgeschwister Anspruch auf das Erbe?

Halbgeschwister haben genau wie Geschwister einen Erbanspruch und gehören wie diese zur zweiten Parentel. Genau wie Geschwister gibt es für Halbgeschwister keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Sie können ebenso auf ihr Erbe verzichten oder vom Erblasser vom Erbe ausgeschlossen werden.

Haben adoptierte Geschwister einen Erbanspruch?

Adoptierte Geschwister sind blutsverwandten Geschwister gleichgestellt. Demzufolge haben sie genau wie diese einen gesetzlichen Erbanspruch. Auch sie zählen zur zweiten Parentel und erben dann, wenn aus der ersten Parentel niemand mehr am Leben ist und mindestens ein Elternteil des Erblassers nicht mehr lebt.

Haben Stiefgeschwister einen Anspruch auf den Pflichtteil?

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Nein, auch Stiefgeschwister haben keinen Anspruch auf den Pflichtteil. Stiefgeschwister werden auch innerhalb der gesetzlichen Erbfolge nicht berücksichtigt. Sie sind also weder pflichtteilsberechtigt noch erbberechtigt. Wenn der Erblasser dies wünscht, kann er Stiefgeschwister in seinem letzten Willen oder Erbvertrag bedenken. Tut er dies nicht, gehen Stiefgeschwister leer aus.

Haus an die Kinder vererben – Wie geht das?

Wer sein Haus gezielt an seine Kinder vererben und Streit vermeiden möchte, setzt am besten ein Testament auf. Zu beachten ist, dass beispielsweise ein hinterbliebener Ehegatte Anspruch auf einen Pflichtteil hat und auch nicht ohne Weiteres aus dem bis zum Tod des Erblassers gemeinsam bewohnten Haus verwiesen werden kann.

Hausübergabe zu Lebzeiten – Ein Schenkungsvertrag macht es möglich

Auch einen Pflichtteil für Geschwister bei Hausübergabe zu Lebzeiten gibt es nicht. Geschwister können natürlich als nicht Pflichtteilsberechtigte eine Schenkung erhalten und so beispielsweise zu Lebzeiten des Erblassers dessen Haus übernehmen.

Mithilfe von Schenkungen wird die Erbfolge bereits zu Lebzeiten des Erblassers vorweggenommen. Schenkungen sind sowohl an pflichtteilsberechtigte Kinder als auch an nichtpflichtteilsberechtigte Geschwister möglich. Wird allerdings mit nicht Pflichtteilsberechtigten ein Schenkungsvertrag gemacht, können pflichtteilsberechtigte Kinder oder Ehegatten die Schenkung der Verlassenschaft rechnerisch hinzufügen. Dies gilt allerdings nur für solche Schenkungen, die nicht länger als zwei Jahre vom Zeitpunkt des Todes des Erblassers zurückliegen.

Wenn Sie eine Schenkung beziehungsweise eine Hausübergabe zu Lebzeiten an nicht pflichtteilsberechtigte Geschwister in Erwägung ziehen, nehmen Sie Kontakt zu einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt auf. In einer Erstberatung können alle anfallenden Fragen geklärt werden.

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