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Pflichtteil für Geschwister in Österreich – Welcher Anspruch kommt Bruder und Schwester zu?

  • Geprüft von jur. Redaktion: Mag. Michaela Kriechbaumer
Ältere Geschwister unterhalten sich

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Im österreichischen Erbrecht ist die gesetzliche Erbfolge abschließend geregelt. Welchen Rang Geschwister innerhalb der gesetzlichen Erbfolge haben und ob Geschwister Anspruch auf einen Pflichtteil haben, möchten wir  im Folgenden ausführlich erklären. 

Wenn Sie in Erbangelegenheiten persönliche Unterstützung benötigen, nehmen Sie Kontakt zu einem Rechtsanwalt für Erbrecht auf.

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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Geschwister eines Erblassers sind in Österreich nicht pflichtteilsberechtigt.
  • Geschwister haben einen gesetzlichen Erbanspruch innerhalb der gesetzlichen Erbfolge.
  • Geschwister gehören zur zweiten Parentel, sie zählen zur zweiten der insgesamt vier Erblinien.
  • Mittels gesetzlicher Erbfolge erben Geschwister nur dann, wenn in der ersten Parentel keine Erben mehr vorhanden sind (bereits abgelebt).
  • Innerhalb der zweiten Parentel gilt das Prinzip „alt vor jung“: Geschwister erben erst dann, wenn die Eltern des Erblassers verstorben sind oder anteilig, wenn nur noch ein Elternteil lebt.
  • Geschwister können über die gesetzliche Erbfolge hinaus durch einen Erbvertrag oder ein Testament letztwillig berücksichtigt werden.
  • Eine Schenkung an Geschwister zu Lebzeiten des Erblassers ist mit Schenkungsvertrag rechtswirksam.

Erbrecht in Österreich bei Geschwistern

Die Erbfolge in Österreich ist, wie unten weiter ausgeführt, im Parentelensystem geregelt. Das System ist in vier Parentelen unterteilt. Demnach gibt es  Erben ersten, zweiten, dritten und vierten Rangs. Grundsätzlich zu beachten ist, dass die Erben des nächsten Rangs immer nur dann zum Zug kommen, wenn aus dem vorherigen Rang niemand mehr vorhanden ist.

Wie sieht die gesetzliche Erbfolge in Österreich bei Geschwistern aus?

Geschwister werden in Österreich in der gesetzlichen Erbfolge berücksichtigt. Wenn vom Erblasser keinen Erbvertrag oder ein gültiges Testament vorliegt, greift automatisch die gesetzliche Erbfolge. Weil die Geschwister des Erblassers aber innerhalb der gesetzlichen Erfolge nicht an erster Stelle stehen, kann es passieren, dass diese vorerst leer ausgehen.

Im österreichischen Erbrecht gibt es vier Erblinien, die sogenannten Parentelen. Geschwister gehören zu der zweiten Parentel – und dieses erbt nur, wenn aus der ersten Parentel keine Erben mehr übrig sind. Doch selbst wenn die zweite Parentel zum Zug kommt, erben nicht automatisch auch die Geschwister: Vor den Geschwistern erben die Eltern des Erblassers, sofern diese noch leben.

Haben Geschwister überhaupt Anspruch auf einen Pflichtteil?

Grundsätzlich haben Geschwister keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Pflichtteilsberechtigt sind nur die Kinder eines Erblassers und der Ehegatte beziehungsweise die Ehegattin. Gleiches gilt für eingetragene Lebenspartner, welche Eheleuten gleichgestellt sind.

Ist ein Kind des Erblassers nicht mehr am Leben, gehen dessen Ansprüche auf dessen Kinder, also die Enkelkinder des Erblassers, über. Einen Pflichtteil für Geschwister beziehungsweise einen Anspruch auf einen gesetzlich bestmmten Erbteil der Geschwister gibt es nicht.

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Können Geschwister bei der Erbfolge übergangen werden?

Obwohl Geschwister keinen Anspruch auf einen Pflichtteil haben, werden sie innerhalb der gesetzlichen Erbfolge sehr wohl berücksichtigt. Das Erbrechtin Österreich ordnet Geschwister der zweiten Parentel zu. 

Dennoch können Geschwister in der Erbfolge übergangen werden, wenn der Erblasser das wünscht. Wenn der Erblasser ein Testament aufsetzt oder einen Erbvertrag errichtet, in dem die Geschwister nicht berücksichtigt werden, gehen sie leer aus.

Können Geschwister enterbt werden?

Dass es weder einen Pflichtteil für die Schwester noch einen Pflichtteil für den Bruder gibt, legt bereits nahe, dass eine Enterbung von Bruder und Schwester rechtlich ebenso möglich ist. Die gesetzliche Erbfolge kommt nur zum Tragen, wenn kein Erbvertrag oder Testament vorliegt. 

Selbstverständlich kann der Erblasser auch bestimmen, dass die gesetzliche Erbfolge zum Tragen kommt, aber bestimmte gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Auf diese Weise können Geschwister rechtswirksam enterbt werden.

Was erben Geschwister?

Das Erbrecht bei Geschwistern sieht vor, dass Geschwister unter folgenden Voraussetzungen erben:

  1. Aus der ersten Parentel lebt niemand mehr, weswegen die Erben aus der zweiten Parentel zum Zug kommt.
  2. Innerhalb einer Parentel gilt das Prinzip „alt vor jung“. Deswegen erben zuerst die Eltern des Erblassers zu gleichen Teilen.
  3. Wenn nur noch ein Elternteil am Leben ist, erbt dieser die Hälfte der Verlassenschaft. Die andere Hälfte wird zu gleichen Teilen unter den Nachkommen des verstorbenen Elternteils, also den Geschwistern des Erblassers, aufgeteilt.
  4. Sind beide Elternteile tot, wird die Verlassenschaft zu gleichen Teilen unter den Geschwistern aufgeteilt.

Kann ich als Bruder oder Schwester auf das Erbe auch verzichten?

551 ABGBräumt jedem potenziellen Erben die Möglichkeit ein, im Voraus auf sein Erbe zu verzichten. Allerdings sollte man beachten, dass sich ein solcher Verzicht auch auf die Nachkommen auswirkt. Damit der Erbverzichtgültig ist, muss er durch ein gerichtliches Protokoll beurkundet oder notariell beglaubigt werden.

Ist man als Bruder erbberechtigt?

Die Erbfolge bei Geschwistern wird von der gesetzlichen Erbfolge bestimmt. Als Bruder und Schwester ist man erbberechtigt. Allerdings nur dann, wenn aus der ersten Parentel niemand mehr am Leben ist. Das Erbrecht bei Geschwistern verortet diese in der zweiten Parentel. 

Innerhalb dieser erben Bruder und Schwester, wenn die Eltern des Erblassers nicht mehr am Leben sind. Lebt noch ein Elternteil, erbt dieses die Hälfte; die verbleibende Hälfte wird unter den Geschwistern aufgeteilt.

Haben Halbgeschwister Anspruch auf das Erbe?

gehören wie diese zur zweiten Parentel. Genau wie Geschwister gibt es für Halbgeschwister keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Pflichtteil. Sie können ebenso auf ihr Erbe verzichten oder vom Erblasser von der Erbfolge ausgeschlossen werden

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Haben adoptierte Geschwister einen Erbanspruch?

Adoptierte Geschwister sind blutsverwandten Geschwister gleichgestellt. Demzufolge haben sie genau wie diese einen gesetzlichen Erbanspruch. Auch sie zählen zur zweiten Parentel und erben dann, wenn aus der ersten Parentel niemand mehr am Leben ist und mindestens ein Elternteil des Erblassers nicht mehr lebt.

Haben Stiefgeschwister einen Anspruch auf den Pflichtteil?

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Nein,  Stiefgeschwister haben ebenso keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Stiefgeschwister werden auch innerhalb der gesetzlichen Erbfolge nicht berücksichtigt. Sie sind also weder pflichtteils- noch erbberechtigt. Wenn der Erblasser dies wünscht, kann er Stiefgeschwister in seinem letzten Willen oder Erbvertrag berücksichtigen. Tut er dies nicht, gehen Stiefgeschwister in der Erbfolge leer aus.

Haus an die Kinder vererben – Wie geht das?

Wer sein Haus klar an seine Kinder vererben und Streit vermeiden möchte, setzt darüber am Besten ein Testament auf. Zu beachten ist, dass beispielsweise ein hinterbliebener Ehegatte Anspruch auf einen Pflichtteil hat und auch nicht ohne Weiteres aus dem bis zum Tod des Erblassers gemeinsam bewohnten Haus verwiesen werden kann.

Hausübergabe zu Lebzeiten – Ein Schenkungsvertrag macht es möglich

Auch einen Pflichtteil für Geschwister bei Hausübergabe zu Lebzeiten gibt es nicht. Geschwister können natürlich als nicht Pflichtteilsberechtigte eine Schenkung erhalten und auf diese Weise  zu Lebzeiten des Erblassers dessen Haus bekommen.

Mittels  Schenkungen wird die Erbfolge bereits zu Lebzeiten des Erblassers vorweggenommen. Schenkungen sind sowohl an pflichtteilsberechtigte Kinder als auch an nichtpflichtteilsberechtigte Geschwister möglich. Kommt allerdings mit nicht Pflichtteilsberechtigten ein Schenkungsvertrag zustande, können pflichtteilsberechtigte Kinder oder Ehegatten die Schenkung der Verlassenschaft  hinzurechnen. Dies gilt allerdings nur für solche Schenkungen, die nicht länger als zwei Jahre vor Zeitpunkt des Todes des Erblassers erfolgt sind.

Wenn Sie eine Schenkung bzw. eine Hausübergabe zu Lebzeiten an nicht pflichtteilsberechtigte Geschwister in Erwägung ziehen, nehmen Sie Kontakt zu einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt auf. In einer Erstberatung können alle anfallenden Fragen geklärt werden, um spätere Unklarheiten und Streitigkeiten vor Gericht zu vermeiden.

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