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Erbe ausschlagen – ist das möglich bzw. empfehlenswert?

  • Redaktion Erbrechtsinfo.at
Mann verweigert die Unterschrift eines Vertrages
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Erbverzicht und Erbausschlagung werden gerne als Synonyme verwendet, dies aber fälschlicherweise. Erbverzicht und das Ausschlagen eine Erbes sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. 

Beim Ausschlagen eines Erbes ist der Erbfall bereits präsent wobei im Falles des Erbverzichts der Erblasser noch am Leben ist und durch vertragliches Festhalten die gesetzliche Erbfolge beeinflusst und somit willentlich geändert wird, in dem auf das zukünftig rechtmäßig zustehende Erbe verzichtet wird.

Erbe ausschlagen – Wie mache ich das?

Die Erbausschlagung ist eine ausdrückliche Erklärung das Erbe, samt aller Rechte und Pflichten nicht anzutreten. Wenn es einmal abgelehnt wurde, kann man es nicht mehr rückgängig machen. Um das Erbe auszuschlagen muss man beim Nachlassgericht den Erbantritt ablehnen. 

Das muss so schnell wie möglich nach dem Todesfall des Verwandten, Ehepartner oder Freundes passieren. Eine Alternative ist einen Notar oder Rechtsanwalt dafür zu beauftragen.

Tipp!

Um einen Erbverzicht rechtskonform aufzusetzen, sollten Sie sich Unterstützung eines Rechtsanwalts für Erbrecht holen. Für das Ausschlagen eines Erbes, also im akuten Erbfall, sprechen zum Beispiel die hohen Schulden des Verstorbenen. Für einen Erbverzicht kann zum Beispiel sprechen, dass ein Kind des Erblassers finanziell ausgesorgt hat und seinen Geschwistern daher das Erbe überlassen möchte.

Warum das Erbe nicht annehmen? Mögliche Gründe für die Erbausschlagung

Das Gesetz hat eine Erbfolge definiert, an die sich im Erbfall gehalten werden muss. Darin ist festgelegt, welche Verwandten zu erst mit welchem Anteil bedacht werden. Dabei spricht man vom Pflichtteil für jeden Erben. Dieser Pflichtteil kann nur im Falle einer Enterbung zu Lebzeiten, die aber harte Kriterien an den Tag legt, ausgesetzt werden. 

Dies kann für den einen ein Segen, für den anderen aber auch Fluch bedeuten. Hatte der Verstorbene nämlich schulden, so gehen die Schulden auch an die gesetzlich festgelegten Eben über, die diese Schulden meist auch im vollen Umfang begleichen müssen.

Zuerst werden natürlich die verbliebenen Haben Werte dafür verwendet die Gläubiger auszuzahlen. Reichen diese jedoch nicht aus wird in einer sogenannten Erbauseinandersetzung geklärt , wie viel der Erbe noch nachzahlen muss. In solche einem Fall ist es ratsam schleunigst ein Nachlassinsolvenzverfahren einleiten zu lassen. Dies kann nämlich dazu führen, dass der Erbe die angefallenen Schulden nicht aus eigener Tasche zahlen muss.

In dem ein Erbe aber vor Verlesung des Testaments das Erbe ausschlägt, da er bereits eine Verschuldung des Verstorbenen ahnt, kann somit den Unannehmlichkeiten aus dem Wege gehen.

Weitere Gründe für das Ausschlagen eines Erbes im Erbfall

Erbe aus persönlichen Gründen ausschlagen

Das Ausschlagen eines Erbes kann aber auch persönliche Gründe haben. Haben der Erblasser und der Erbe in den vergangenen Jahren im Streit gelebt oder aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen schon lange keinen Kontakt mehr gehabt hatten, kann es den Erben dazu veranlassen das Erbe im Erbfall auszuschlagen. Nicht selten kommt es vor, dass dem Erben nur Gegenstände vererbt werden und kein Bargeld.

Erbe wegen Steuern ausschlagen

Bei jedem Erbe fallen auch Steuern an, die allerdings bar bezahlt werden müssen. Erbt der Erbe jetzt Gegenstände dich sich vielleicht schlecht oder nicht so schnell veräußern lassen, müsste der Erbe erst einmal aus eigener Tasche die Erbschaftssteuer begleichen. Dies kann unter Umständen für den Erben finanziell schwierig sein, was dazu führt, dass viele Erben aufgrund von steuerlichen Aspekten das Erbe ausschlagen.

Erbe wegen Folgekosten ausschalgen

Erben sind nicht nur zum Erben da sondern auch um die Bestattung des Verstorbenen zu organisieren und vor allem, um die Kosten zu tragen. Sollte das Erbe sehr klein ausfallen, können die Kosten der Bestattung das Erbe überschreiten, da eine Bestattung auch schnell sehr kostspielig werden kann. 

Schlägt man allerdings das Erbe aus, ist man auch von den Kosten für die Beerdigung befreit, es sei denn man ist auch der Fürsorgeberechtigte oder Unterhaltspflichtige, der schlussendlich auf alle Fälle die Kosten der Bestattung tragen muss, sollten alle Erben das Erbe ausgeschlagen haben.

Tipp!

Bevor Sie ein Erbe annehmen, ausschlagen oder planen drauf zu verzichten, lassen Sie sich über Ihre Optionen und die daraus resultierenden Konsequenzen von einem Rechtsanwalt für Erbrecht aufklären. Unter Suche finden Sie auf Erbrechtsinfo.at mit Sicherheit einen kompetenten Erbrechtsanwalt in Ihrer Region, der Ihnen beratend zur Seite steht.

Die Erbausschlagung hat Auswirkungen auf die Erbfolge

Die Erbausschlagung verändert die Erbfolge. Das bedeutet, dass die gesetzliche Erfolge vorsieht, dass Ihre Nachkommen nun zu Erben werden. Wollen diese das Erbe aus oben genannten Gründen ebenfalls nicht antreten, müssen auch sie das Erbe selbständig ausschlagen. 

Angenommen es gibt irgendwann keine Nachkommen mehr, an die das Erbe übergehen könnte, geht der Nachlass an den Staat über.

Erbe ausschlagen – Welche Frist gilt?

Sollten Sie nicht innerhalb der gesetzlich festgelegten Frist von 6 Wochen das Erbe ausschlagen, gilt das Erbe automatisch als angenommen. 6 Wochen sollten allerdings auch ausreichen abzuwägen, ob Sie das Erbe annehmen oder ausschlagen möchten und sind somit ein angemessener Zeitrahmen.

Achtung!

Die 6 Wochen Frist startet mit der Kenntnisnahme des Erben durch zum Beispiel eine Testamentseröffnung.

Frist bei Ausschlagung eines Vermächtnisses

Anders als beim Ausschlagen eines Erbes, gilt beim Ausschlagen eine Vermächtnisses nicht die gesetzlich festgelegte 6 Wochen Frist. Bei einem Vermächtnis geht es dabei um den Erbteil, der einer vom Gesetz her der Erbfolge nicht berücksichtigten Person wie zum Beispiel einem Freund oder dem Tennisverein, vom Erblasser zugesprochen wird.

Dem Vermächtnisberechtigten wird in diesem Fall von den rechtmäßigen Erben eine Frist gesetzt, in der sich dieser für oder gegen die Annahme des Vermächtnisses entscheiden soll. Lässt der Vermächtnisberechtigte diese Frist allerdings verstreichen, so gilt das Vermächtnis als ausgeschlagen.

Das Erbe ablehnen – Wie und wo geht das?

Das Erbe muss beim örtlichen Nachlassgericht ausgeschlagen werden, da dieses für Erbangelegenheiten zuständig ist. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Sie können direkt zum Nachlassgericht gehen und dort vor Ort das Erbe ausschlagen. Dort wird dann in der Rechtsantragsstelle ein Dokument aufgesetzt, welches nach dem Beurkundungsgesetz das Ausschlagen des Erbes rechtskräftig dokumentiert.

Die andere Möglichkeit ist, dass Sie einen Notar aufsuchen, der eine notarielle Beglaubigung, die bestätigt, dass Sie das Erbe nicht antreten wollen, aufsetzt. Im Normalfall leitet der Notar die Beglaubigung an das Nachlassgericht weiter.

Welche Kosten entstehen bei Erbausschlagung?

Egal ob Sie die Ausschlagung des Erbes direkt beim Nachlassgericht oder aber über einen Notar amtlich machen lassen wollen, fallen in jedem Falle Gebühren an. Manche Notare haben dafür Festpreise, andere setzten ihren Stundenlohn als Honorar an. D.h. bei einem Notar kommen Sie voraussichtlich auf 150 -300 €. 

Beim Nachlassgericht richtet sich die Gebühr nach dem Gegenstandswert beträgt aber mindestens 15 €.

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