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Vorsorgevollmacht in Österreich - Infos, Kosten & Muster

  • Redaktion Erbrechtsinfo.at
Vorsorgevollmacht Österreich
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Häufig verbindet man eine Vorsorge im rechtlichen Bereich sofort mit einer Testament Erstellung. Jedoch gibt es auch andere Möglichkeiten, seinen letzten Willen auszudrücken, wenn man plötzlich handlungs- und entscheidungsunfähig ist. So gibt es beispielsweise die Vorsorgevollmacht in Österreich. Ähnlich wie bei einer Patientenverfügung, bestimmt man mit einer Vorsorgevollmacht im Vorfeld, wer als Bevollmächtigte/r für Sie entscheiden soll.

Im folgenden Beitrag erfahren Sie alles zur Vorsorgevollmacht in Österreich. Was legt man mit der Vorsorgevollmacht in Österreich fest? Welche Voraussetzungen für eine Vorsorgevollmacht müssen erfüllt sein und wie sieht es mit der Vorsorgevollmacht Wirksamkeit aus? In unserem Artikel finden Sie alle Antworten auf diese Fragen und auch weitere nützliche Informationen zur Vorsorgevollmacht in Österreich.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist die Vorsorgevollmacht in Österreich?

Eine rechtliche Vorsorge für die eigenen Angelegenheiten trifft man nicht nur über die Erstellung eines Testaments für Erben in Österreich. Für den Fall, dass man in eine Situation kommt, in der man nicht mehr handlungs- und entscheidungsfähig ist,  ist eine rechtliche Regelung in Form einer Vorsorgevollmacht gedacht.

Durch eine Vorsorgevollmacht ist eine Vertrauensperson bestimmbar, die den Ersteller in festgelegten Angelegenheiten vertritt, wenn dessen Geschäfts- oder Urteilsfähigkeit oder seine Möglichkeit zur Äußerung verloren geht. Durch die Benennung der Vertrauensperson kommt es zur Vorbeugung einer Sachwalterschaft. Eine Vorsorgevollmacht gilt für unterschiedliche Lebensbereiche und sie geht damit über die Möglichkeiten einer Patientenverfügung hinaus.

Meist werden nahestehende Familienangehörige als Vertrauenspersonen in der Vorsorgevollmacht benannt. Gegenstand der Vorsorgevollmacht in Österreich können sowohl Vermögensregelungen, Vertretungen gegenüber Ärzten, die Unterbringung in einem Pflegeheim oder die Vertretung bei Behörden und anderen Institutionen sein.

Für die Form der Erstellung einer neuen Vorsorgevollmacht gibt es seit Juli 2018 geänderte Vorschriften. Diese besagen, dass eine Vorsorgevollmacht persönlich erstellt werden muss, in Gegenwart eines Rechtsanwaltes oder Notars oder ggf. des Erwachsenenvereins. Im Gegensatz zu einer Vorsorgevollmacht in Deutschland erfolgt die Eintragung einer Vorsorgevollmacht in Österreich im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) eingetragen werden.

Wann ist die Erstellung einer Vorsorgevollmacht sinnvoll?

Vorsorgevollmacht ja oder nein ? – Die Erstellung einer Vorsorgevollmacht in Österreich macht immer dann Sinn, wenn man im Ernstfall vermeiden möchte, dass eine gesetzliche Erwachsenenvertretung persönliche Angelegenheiten regelt. 

Diese tritt im Vorsorgefall immer ein, wenn keine Vorsorgevollmacht erteilt wurde. Dabei können dann Familienangehörige viele Tätigkeiten übernehmen, wie z. B. die Haushaltsführung, die Vertretung bei Ärzten oder die Organisation von Pflegeleistungen.

Sind keine verfügbaren Angehörigen vorhanden kann man auch eine gerichtliche Erwachsenenvertretung bestellen. Dies gewinnt dann an Relevanz, wenn die gesetzliche Erwachsenenvertretung nicht greifen kann und auch keine anderen Vorsorgebevollmächtigten benannt sind. Die Vorsorgevollmacht macht also immer dann Sinn, wenn man bestimmte, ausgewählte Personen im Ernstfall mit den eigenen Angelegenheiten betrauen will.

Was legt man in einer Vorsorgevollmacht fest?

In einer Vorsorgevollmacht ist legt man fest, in welchen Angelegenheiten ein Bevollmächtigter eingesetzt wird und wie weit seine Befugnisse dabei innerhalb der Vollmacht ausgestattet sein sollen. 

In einer Vorsorgevollmacht ist es auch möglich mehrere Vertrauenspersonen für verschiedene Regelungsbereiche zu benennen oder es mehrere Personen gemeinsam zur Erledigung zu beautragen. Ferner ist es möglich, Ersatzbevollmächtigte zu benennen, für den Fall, dass ein Bevollmächtigter nicht willens oder in der Lage ist, seine Vollmacht zu übernehmen.

Ist eine gültige Vollmacht erstellt, ist in all den Bereichen, in denen die Vorsorgevollmacht eine Vertretung vorsieht, eine Bestellung eines Sachwalters hinfällig. Mit einer Vorsorgevollmacht in Österreich ist deshalb die einzige Möglichkeit gegeben, eine eigens bestimmte Vertrauensperson als Vertretung zu bestimmen und nicht einem gerichtlich bestellten Sachwalter die persönlichen Angelegenheiten zu überlassen. Kosten kann man dadurch auch einsparen.

Welchen Inhalt findet man in einer Vorsorgevollmacht?

Damit eine Vollmacht die Angelegenheiten im eigenen Sinne bestmöglich regeln kann sollte eine Vorsorgevollmacht ausfüllen:

  • Benennung der/des Bevollmächtigten mit vollständigem Namen, Geburtsdatum und Adresse der Vertrauensperson.
  • Konkrete Benennung der Aufgabenbereiche, für die Vertrauensperson zuständig sein soll.
  • Definition der Zeitpunkte, ab denen die Vollmacht in Kraft tritt und für welchen Zeitraum sie dann gilt.
  • Formulierung persönlicher Wünsche zur Gestaltung der persönlichen Zukunft im Ernstfall, z. B. in Bezug auf Heimaufenthalte oder Pflegeleistungen.
  • Formulierung des persönlichen Willens in Bezug auf ärztliche Versorgung und Behandlung

Bei Antritt einer Vorsorgevollmacht in Österreich erhält der Bevollmächtigte auch Zugriff auf die finanziellen Mittel des Vollmachtgebers (Konten und Depots) Deshalb ist es wichtig, diese im Rahmen der Vollmacht detailliert aufzulisten. 

Es bietet sich dabei an, dem Bevollmächtigten rechtzeitig  durch die Erteilung einer Zeichnungsbefugnis handlungsfähig zu machen. Dadurch kann er sich mit einem Lichtbildausweis legitimieren, wenn er auf die finanziellen Mittel zugreifen muss.

Vorsorgevollmacht Formular

Im Internet gibt es eine Vielzahl an Vorsorgevollmacht Formularen, die gut veranschaulichen können, welche Inhalte und Regelungsbereiche im Rahmen einer Vorsorgevollmacht in Österreich sinnvoll sein können. Diese Vorsorgevollmacht Muster zeigen auf, wie Zuständigkeiten und Handlungsspielräume der Bevollmächtigten in den Lebensbereichen geregelt werden sollen. 

Hierbei geht es um die Vertretung bei Behörden und Gerichten, die Regelung von Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten, Gesundheitsangelegenheiten, Vermögensangelegenheiten, steuerlichen Angelegenheiten und die Regelung der Bankvollmachten. 

Ein Vorsorgevollmacht Muster Österreich ist eine gute Hilfe bei der Entwicklung der eigenen persönlichen Verfügung zur Vorsorgevollmacht. Im Internet sind diese als Vorsorgevollmacht pdf verfügbar. Jedoch sollte die individuelle Fassung in Absprache mit einem erfahrenen Anwalt stattfinden, da auch ein Vorsorgevollmacht Formular neu unvollständig oder fehlerhaft sein kann.

Was ist die gesetzliche Grundlage?

Gesetzlich wurde bis zum 30.06.2018 die Vorsorgevollmacht im Paragrafen 284f des ABGB (Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Hier ist ausgeführt, für welche Fälle die Vorsorgevollmacht gedacht ist und was inhaltlich in ihr zu regeln ist. 

Eine Vorsorgevollmacht in Österreich kann man nur erstellen, solange der Vollmachtgeber selbst noch  geschäftsfähig, urteil- und einsichtsfähig ist und sich selbst äußern kann. Laut Vorsorgevollmacht agb dürfen die Bevollmächtigten ferner nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis oder sonstigen bindenden Beziehung zu einer Klinik, einem Pflegeheim oder sonstigen Einrichtung stehen, in denen sich der Vollmachtgeber entweder aufhält oder von welchen er auf Betreuung angewiesen ist.

Mit den gesetzlichen Änderungen vom Juli 2018 im  2. Erwachsenenschutzgesetz (ErwSchG) ist eine Vorsorgevollmacht jetzt auch nur gültig, wenn sie persönlich bei einem Rechtsanwalt, Notar oder Erwachsenenverein angefertigt wurde und dann in das Österreichische Zentrale Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) eingetragen wurde.

Besteht eine wirksame Vorsorgevollmacht, wird ein Gericht nur noch tätig werden wenn zwischen Bevollmächtigten Uneinigkeit in Bezug auf medizinische Behandlungen besteht oder der Wohnsitz des Vollmachtgebers dauerhaft ins Ausland verlegt werden soll.

Warum benötige ich für die Errichtung einer Vorsorgevollmacht einen Anwalt oder Notar?

Nicht in allen Fällen ist ein Anwalt oder Notar bei der Erstellung einer Vorsorgevollmacht notwendig. In rechtlich einfachen Fällen kann auch der Erwachsenenverein diese vefassen. 

Jedoch ist eine Überprüfung durch einen Anwalt gerade bei der Nutzung von Vorsorgevollmacht Mustern ratsam. Diese können für den individuellen Fall ggf. nicht vollständig sein oder auch fehlerhaft. Auch wenn es um die Regelungen von größeren Vermögenswerten geht, empfiehlt sich hier dringend die Beratung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt. 

Zwingend erforderlich ist hingegen eine anwaltliche Betreuung bei Regelungen zur dauer­haften Verlegung des Wohnsitzes, zur Zustimmung zu tiefgreifenden medizinischen Behandlungen und zu Rechtsgeschäften, die über die regulären Geschäfte des Vollmachtgebers hinausgehen und für seine Ver­mögensverhältnisse unüblich sind.

Welche Voraussetzungen für eine Vorsorgevollmacht müssen gegeben sein?

Damit eine Vorsorgevollmacht in Österreich wirksam ist, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

 

  • Der Vollmachtgeber muss zum Zeitpunkt der Erstellung voll geschäftsfähig, urteilsfähig und einsichtsfähig sein.
  • Eine Vorsorgevollmacht muss als eben solche bezeichnet sein.
  • Zum Vollmachtgeber und dem/den Bevollmächtigten müssen vollständige Namen, Adressen und die Geburtsdaten angegeben werden.
  • Der/die Bevollmächtigten dürfen nicht in Abhängigkeit zu einer Institution (Heim, Klinik etc.) stehen, in der sich der Vollmachtgeber aufhält oder von denen er betreut wird.
  • Eine genau Beschreibung der Angelegenheiten, die der Bevollmächtigte zu regeln hat ist verpflichtet.
  • Ein Anwalt, Notar oder Gericht muss die Vorsorgevollmacht erstellen, wenn es um wichtige Vermögensangelegenheiten, gravierende medizinische Entscheidungen oder eine Verlegung des Wohnortes geht. Dabei muss der Anwalt, Notar oder das Gericht über die rechtlichen Folgen der Vollmacht und die Widerrufsmöglichkeit belehren und dies mit seiner Unterschrift bestätigen.
Hinweis:

Ist eine Vertretungsperson benannt, schränkt dies die reguläre Geschäftsfähigkeit der vertretenen Person nicht ein. Ist die vertretene Person weiterhin geschäfts- und entscheidungsfähig, kann sie auch weiterhin gültige Geschäfte abschließen. Erst im Falle einer Geschäfts- und Entscheidungsunfähigkeit ist zum Abschluss von Geschäften eine Zustimmung des Bevollmächtigten erforderlich

Welche Anwendungsbereiche umfasst die Vorsorgevollmacht?

Die Regelungsbereiche einer Vorsorgevollmacht in Österreich erstrecken sich insbesondere auf folgende Lebensbereiche:

  • Die Vertretung des Vollmachtgebers vor Behörden, Gerichten und anderen Institutionen
  • Wohnungs- und Aufenthaltsangelegenheiten, wie z. B. ein Umzug in ein Pflege- oder Seniorenheim oder in eine behindertengerechte Wohnstätte.
  • Gesundheitsangelegenheiten und medizinische Behandlungen in gravierenden Fällen
  • Finanzielle und Vermögensangelegenheiten, wie die generellen Geschäftstätigkeiten des Vollmachtgebers und darüber hinaus besondere Aufgaben der Vermögensverwaltung. Hier werden auch Bankvollmachten geregelt.

Vollmachtgeber

Ein entscheidungsfähiger Vollmachtgeber kann jederzeit, im Falle eines Verlustes der eigenen Handlungsfähigkeit seine Vertretung festlegen. Dabei ist es möglich sowohl mehrere Personen einzusetzen, die gemeinsam oder einzeln für verschiedene Anwendungsbereiche benannt werden können. Die Erstellung einer Vorsorgevollmacht erfolgt schriftlich vor einer ermächtigten Stelle (Rechtsanwalt, Notar, Erwachsenenschutzverein). 

Anschließend findet die Einreichung zur Registrierung  im ÖZVV statt. Sie tritt dann automatisch im Vorsorgefalle ein, wenn der Vollmachtgeber die Handlungsfähigkeit für die definierten Vollmachtbereiche verliert. Ein Widerruf der Vorsorgevollmacht in Österreich ist jederzeit möglich. Der Widerruf ist ebenfalls einzutragen.

Wer kann Vorsorgebevollmächtigte/er werden?

Bevollmächtigter kann jede Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat und selbst entscheidungs- und handlungsfähig ist. Einschränkungen gibt es jedoch hinsichtlich gewisser Interessenslagen, die ausgeschlossen werden sollen.

Nicht als Bevollmächtigte dürfen eingesetzt werden:

  • Personen, von denen nicht vorausgesetzt werden kann, dass sie das Wohlergehen des Vollmachtgebers unterstützen werden. Dies kann z. B. bei Personen gegeben sein, die bereits eine strafrechtliche Verurteilung vorzuweisen haben.
  • Personen, die entweder in einem abhängigen Verhältnis oder  sonstigen engen Bindung an ein Krankenhaus, Heim, Pflegeanstalt oder anderer Institution stehen, in der der Vollmachtgeber lebt oder von der er Betreuung bekommt.
  • Personen, die bereits bis zu 15 Vorsorgevollmachten übernommen haben.

Ist eine Vorsorgevollmacht auf mehrere Personen möglich?

Es ist möglich, im Rahmen der Vorsorgevollmacht mehrere Personen für verschiedene Aufgaben  zu bevollmächtigen. Auch können mehrere Personen gemeinsam als Vertretung bestimmt werden. So kann z. B. eine Person für die Gesundheitsangelegenheiten bestimmt werden und eine andere Person für die die Vermögensangelegenheiten. 

Man kann aber auch darüber verfügen, dass z. B. mehrere Familienmitglieder gemeinsam bevollmächtigt werden, die Gesundheitsangelegenheiten einvernehmlich zu entscheiden. Hier tritt dann im Uneinigkeitsfall ein Gericht ein.

Welche Pflichten hat ein/e Bevollmächtigte/r?

Als Bevollmächtigter ist man bei der Erledigung der jeweilig anvertrauten Angelegenheiten dem Willen des Vollmachtgebers verpflichtet. Dieser Wille kommt in der Vorsorgevollmacht zum Ausdruck. Aber auch im Vorsorgefall sind die Willensäußerungen des Vollmachtgebers zu berücksichtigen, sofern diese zu seinem Wohl beitragen.

Der Bevollmächtigte ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dies gilt für alle Tatsachen und Informationen, die ihm in der Ausübung seiner Aufgabe bekannt werden. Ausnahmen hierzu gibt es für bestimmte Angehörige oder auch involvierte Einrichtungen.

Wieviel kostet eine Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht Kosten in Österreich für die Erstellung einer Vollmacht können sich durchaus unterscheiden, je nachdem, auf welchem Erstellungsweg sie zustande kommt. Ein Notar oder Rechtsanwalt passt die Vorsorgevollmacht Kosten an die üblichen Tarife der jeweiligen Kanzlei an. Hier können Pauschalpreise oder auch Stundensätze maßgeblich sein. 

Erfolgt die Erstellung der Vorsorgevollmacht bei einem Erwachsenenschutzverein, kostet die Erstellung aktuell 75 € + 10 € für die Registrierung der Vollmacht. Passiert die Erstellung der Vorsorgevollmacht in Österreich durch einen Hausbesuch, stellt man weitere 25 € in Rechnung.

Im Rahmen der Verfügungen in der Vorsorgevollmacht kann der Bevollmächtigte auch eine Vergütung bestimmen

Welche Möglichkeiten gibt es eine Vorsorgevollmacht zu erstellen?

Grundsätzlich kann eine Erstellung der Vorsorgevollmacht in Österreich auf vier verschiedenen Wegen geschehen:

 

  • Der Vollmachtgeber erstellt die Vorsorgevollmacht eigenhändig und unterschreibt sie.
  • Ein Rechtsanwalt oder Notar erstellt die Vorsorgevollmacht und der Vollmachtgeber unterschreibt diese eigenhändig. Dabei muss in der Vollmacht eine Klausel vorhanden sein, die bestätigt, dass der Inhalt der Vollmacht dem Willen des Vollmachtgebers entspricht. Ferner müssen drei Zeugen bestätigen, dass die Errichtung der Vollmacht dem Willen des Vollmachtgebers entspricht.
  • Ein Rechtsanwalt oder Notar erstellt die Vorsorgevollmacht und der Vollmachtgeber unterschreibt hier auch nicht. Hierbei muss zusätzlich zu den oben genannten Bedingungen noch eine notarielle Beglaubigung der Zeugenunterschriften erfolgen.
  • Die Erstellung einer Vorsorgevollmacht erfolgt durch einen Notariatakt.

 

Nach den neueren gesetzlichen Bestimmungen muss die Vorsorgevollmacht dann

in das Österreichische Zentrale Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) eingetragen werden.

Vollzieht ein Anwalt die Erstellung, so erfolgt die Vorsorgevollmacht Registrierung durch den Rechtsanwalt.

Wann ist eine Vorsorgevollmacht wirksam?

Die Wirksamkeit der Vorsorgevollmacht in Österreich  ist folgendermaßen gegeben:

 

  1. Die Vorsorgevollmacht Wirksamkeit ist dann gegeben, wenn der Vollmachtgeber nicht mehr geschäftsfähig, urteilsfähig oder einsichtsfähig ist. Dies ist durch ein ärztliches Gutachten feststellen. Aus dem ärztlichen Gutachten erfolgt schließlich die Ableitung, in welchem Umfang die Vorsorgevollmacht wirksam wird.
  1. Die Wirksamkeit der Vorsorgevollmacht kann auch sofort eintreten. Dabei  erfolgt die Erteilung der Erledigungen der Aufgaben des Bevollmächtigten erst mit Eintritt der Geschäfts- und Urteilsunfähigkeit des Vollmachtgebers. Hier ist es dann möglich, dass der Vollmachtgeber dem Bevollmächtigten bereits vor Eintritt des Vorsorgefalls Aufgaben überträgt. In diesem Fall bedarf es keinen ärztlichen Gutachtens. Soll die Vollmacht sofort wirksam werden, so kann nur ein Notar die Vorsorgevollmacht registrieren im ÖZVV.

Eine Vorsorgevollmacht Registrierung durch einen Rechtsanwalt  ist in diesem Fall nicht möglich, es bedarf eines  Vorsorgevollmacht  Der Bevollmächtigte bekommt die Registrierungsbestätigung. Dann wird diese z. B. Dritten vorgelegt, um die rechtmäßige Vertretung anzuzeigen.

Was ist das Österreichische Zentrale Vertretungsverzeichnis (ÖZVV)?

Nach der neueren Gesetzgebung ist es verpflichtet die Vorsorgevollmacht und auch der Eintritt des Vorsorgefalls von einem Anwalt, Notar oder Erwachsenenschutzverein im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) registrieren zu lassen. Das ÖZVV ist bei der österreichischen Notariatskammer eingerichtet. Eine Registrierung von Vorsorgevollmachten ist für nach neuester Gesetzeslage Voraussetzung für ihre Wirksamkeit. 

Zusätzlich zum Vorsorgevollmacht registrieren sind auch der Beginn und das Ende der Wirksamkeit sowie der Widerruf dort registrierbar. Für die Registrierung im ÖZVV fallen Gebühren an. Die Vorsorgevollmacht Registrierung kann durch einen Rechtsanwalt, Notar oder einen Erwachsenenschutzverein erfolgen. Die Registrierung einer Vorsorgevollmacht gemäß Punkt 5.1.1.1. ÖZVV-RL 2018 durch einen Notar, Rechtsanwalt oder Erwachsenenschutzverein kostet aktuell € 23,00 (zzgl. USt).

Wann beginnt und wann endet die Vorsorgevollmacht?

Die Wirksamkeit einer Vorsorgevollmacht in Österreich tritt ein, wenn der Vollmachtgeber seine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit für jene Angelegenheiten verliert, für die eine Vollmachtverfügung getroffen wurde. In diesem Fall kann der Bevollmächtigte den Eintritt des Vorsorgefalles bei der Errichtungsbehörde eintragen lassen. Die Bescheinigung ders Vorsorgefalls erfolgt durch die Vorlage eines ärztlichen Atteste.

Das Ende der Vorsorgevollmacht kann durch verschiedene Umstände begründet sein

  • Durch den Tod der vertretenen Person,
  • wegen Todes der/des Vorsorgebevollmächtigten,
  • durch ein Gericht, das die Vorsorgevollmacht mittels Beschluss beendet ( z.B.  wenn nicht zum Wohle des Vollmachtgebers gehandelt wurde)
  • wegen einer Kündigung, eines Widerrufs oder dem Wegfall des Vorsorgefalls im ÖZVV.

Grundsätzlich ist eine Vorsorgevollmacht Österreich in ihrer Gültigkeitsdauer nicht zeitlich befristet. Die Vorsorgevollmacht Gültigkeitsdauer ist demnach bis zum Eintritt weiterer Ereignisse unbegrenzt.  Der Vollmachtgeber kann jedoch jederzeit die Vollmacht widerrufen. Hierfür muss er sich an seine Eintragungsstelle wenden und den Widerruf dokumentieren lassen. 

Auch wenn der Vollmachtgeber seine Geschäfts- und Entscheidungsfähigkeit wiedererlangt, ist dies im ÖZVV zu registrieren. Die Vorsorgevollmacht ist dann damit beendet. Tritt ein erneuter Vorsorgefall ein, ist eine Registrierung wieder möglich und es kommt damit zu erneuten Aktivierung der Vorsorgevollmacht.

Ist es möglich eine Vorsorgevollmacht in Österreich zu widerrufen?

Grundsätzlich erlischt eine Versorgungsvollmacht durch den Tod des Vollmachtgebers, eine gerichtliche Anordnung oder den Tod des Bevollmächtigten. Sie ist dann aus dem ÖZVV zu löschen.

Es kann jedoch auch jederzeit – und dies auch nach Verlust der Geschäfts- und Entscheidungsfähigkeit – zu, Widerruf oder Kündigung kommen. Soll ein Widerruf oder eine Kündigung erfolgen, so ist dies im ÖZVV einzutragen. Dies ist deshalb wichtig, weil die Vertretungsbefugnis solange Gültigkeit besitzt, solange sie im ÖZVV eingetragen ist. Dies gilt auch für den Fall, wenn der Vollmachtgeber bereits wieder geschäfts- und entscheidungsfähig ist.

Was gibt es zu beachten bezüglich “alte Vorsorgevollmachten”?

Grundsätzlich behalten „alte“ Vorsorgevollmachten, die vor dem 30.06.2018 erstellt wurden und wirksam sind, ihre Gültigkeit. Jedoch muss bei einem Vorsorgefall, der nach dem 30.06.2018 liegt eine nachträgliche Eintragung in das ÖZVV erfolgen. 

Für alle „alten“ Versorgungsvollmächte, die vor dem 30.06.2018 noch nicht in das ÖZVV eingetragen wurden bleibt jedoch die Vertretungsmacht auch ohne eine Eintragung weiterhin bestehen.

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