Testament anfechten in Österreich - Infos, Erfolgschancen & Möglichkeiten

Anwalt erklärt einem Paar wie Anfechtung eines Testaments möglich ist
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Der Rechtsschutzversicherer D.A.S. geht davon aus, dass 50% aller Laien, die ein Testament erstellen, dieses nicht fehlerfrei aufsetzen. Dies kann unter anderem ein wesentlicher Grund dafür sein, dass Erben in der Folge das Testament anfechten. Gegen ein Testament Einspruch zu erheben ist aber nur möglich, wenn ein rechtlich relevanter Grund vorliegt, der auch nachweisbar ist.

Im Folgenden erhalten sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Testament anfechten in Österreich. Von den Anfechtungsgründen über die Testament anfechten Kosten bis hin zu den Testament anfechten Chancen, gehen wir auf alles Wichtige ein.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet Testament anfechten?

Ein Testament bietet einem Erblasser die Möglichkeit, seine Verlassenschaft bereits zu Lebzeiten zu regeln. Hier kann jedermann gezielt festlegen, welche Personen welchen Teil der Verlassenschaft erhalten sollen. Mit der Erstellung eines fehlerfreien rechtswirksamen Testaments soll also verhindert werden, dass sich die Erbberechtigten um die Aufteilung des Erbes streiten müssen. Ein Erbstreit endet nicht selten vor Gericht und kann  ganze Familienharmonien zerrütten.

Allerdings kann es auch trotz Testament zu Erbstreitigkeiten kommen. Dies ist dann der Fall, wenn Erben sich zur Anfechtung des Testaments  entscheiden. Um das zu vermeiden, sollte beim Testament aufsetzen unbedingt darauf geachtet werden, dass alle Formvorschriften eingehalten werden. Wann ein letzter Wille anfechtbar ist, kann pauschal nicht gesagt werden.

Es gibt viele Gründe, warum Erben ein Testament anfechten: entweder fühlen sie sich ungerecht behandelt, das Testament enthält Formfehler oder es bestehen Zweifel an der Testierfähigkeit des Erblassers. Doch darauf, wann ein letzter Wille anfechtbar ist, gehen wir im weiteren Verlauf des Artikels noch

Kann man ein notarielles und handschriftliches Testament anfechten?

Kann man ein notarielles Testament anfechten? Erben können sowohl ein handschriftliches Testament anfechten als auch ein notarielles Testament. Dass Erben ein handgeschriebenes Testament anfechten, kommt in der Praxis allerdings häufiger vor als das Anfechten eines notariellen Testaments. 

Dieser Umstand lässt sich ganz einfach dadurch erklären, dass ein handschriftliches Testament viel häufiger Formfehler oder unklare bzw. zweideutige Formulierungen erhält, was Erben einen Anlass geben kann, gegen das Testament vorzugehen

Kann man ein gemeinschaftliches Testament anfechten?

Auch ein gemeinschaftliches Testament, auch Erbvertrag genannt, können Erben anfechten. Wenn beispielsweise Grund zur Annahme besteht, dass das gemeinschaftliche Testament unter Zwang entstanden ist oder sich ein berechtigter Erbe beim Erbe übergangen fühlt, kann er das gemeinschaftliche Testament anfechten.

Allerdings ist die Anfechtung hier wesentlich schwieriger, weil in einem gemeinschaftlichen Testament immer wechselseitige Verfügungen getroffen werden, die nicht nur den Erblasser, sondern auch dessen Partner betreffen.

Beim Testament anfechten in Österreich ist es immer ratsam, sich die Hilfe eines Rechtsanwalts für Erbrecht zu suchen. Dieser kann Ihnen helfen, Ihre Chancen genau einzuschätzen und die Vorgehensweise in Ihrem individuellen Fall gemeinsam mit Ihnen besprechen. Auch bei der Frage, ob ein Testament nach Scheidung gültig oder ungültig ist oder oder allgemein bei Problemen beim Ehegatten Erbrecht bei umfassenden Erbfragen kann Ihnen ein Rechtsexperte behilflich sein.. 

Wer ist dazu befugt ein Testament anzufechten?

Grundsätzlich sind alle Erben zum Testament anfechten berechtigt, wenn eine erfolgreiche Testamentsanfechtung bei ihnen unmittelbar zu Vorteilen führen würde. Dementsprechend sind Erben, die aus einer Testamentsanfechtung keinen unmittelbaren Nutzen ziehen würden, auch nicht zum Testament anfechten befugt.

Auch gesetzliche Erben inklusive aller Ersatzerben und Vorerben sind zum Testament anfechten berechtigt, wenn sie beispielsweise die Einsetzung von Nacherben verhindern wollen. Alle, die erbberechtigt sind und nicht mit dem Testament einverstanden sind, haben die Möglichkeit dieses dann anzufechten. Somit können sie versuchen ihre eigenen Ansprüche durchzusetzen.

Ebenso kann ein Testament angefochten werden, wenn sich die Erben gegen Bedingungen oder Auflagen, die in dem Testament enthalten sind, zur Wehr setzen wollen.

Wann ist ein Testament anfechtbar?

Alle, die den letzten Willen eines Verstorbenen in Form eines Testaments anfechten möchten, sollten wissen, in welchem Fall es sinnvoll ist, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Ein Testament kann nur angefochten werden, wenn ein gesetzlich relevanter Grund vorliegt.

Im Folgenden möchten wir Ihnen die einzelnen Anfechtungsgründe eines Testaments genauer vorstellen.

Testament anfechten bei bei wesentlichem Irrtum des Testators

Ein wesentlicher Irrtumliegt dann vor, wenn ein Erblasser im Testament irrtümlich unrichtige Angaben macht.

Zum Beispiel kann es vorkommen, dass durch einen Zahlendreher oder eine Null zu viel einem Erben eine Summe vererbt werden soll, die entweder gar nicht vorhanden ist, Pflichtteilsansprüche anderer Erben aushebelt oder vom Erblasser schlichtweg nicht so gedacht war. Hier liegt ein Erklärungsirrtum vor, welcher zur Anfechtung berechtigt.

Wenn ein Erblasser beispielsweise fälschlicherweise davon ausgeht, seine Schwester sei eine gesetzliche Erbin und ihr aus diesem Grund den Nachlass zuspricht, so können andere Erben das Testament anfechten.

Möglich ist eine Anfechtung auch dann, wenn sich ein Erblasser offensichtlich verschrieben hat. Grundsätzlich muss bei einer Testamentsanfechtugn wegen wesentlichem Irrtum nachgewiesen werden können, dass der Erblasser anders verfügt hätte, wenn ihm die richtige Sachlage bewusst gewesen wäre

Ein wesentlicher Motivirrtum liegt dann vor, wenn ein Erblasser bei der Tetsamentserstellung ein Ereignis berücksichtigt hat, das letztlich aber nicht eingetreten ist. Hat ein Erblasser beispielsweise deswegen jemanden als Erben eingesetzt, weil er sich von der Person Pflegeleistungen im Alter versprochen hat, diese aber nie geleistet wurden, ist eine Anfechtung wegen Motivirrtum möglich.

Testament anfechten bei Einflussnahme anderer Personen auf das Testament

Kann nachgewiesen werden, dass ein anderer Mensch den Erblasser bei der Testamentserstellung beeinflusst hat, sodass dieser nicht mehr nach seinem freien Willen verfügt hat, können berechtigte Erben das Testament anfechten. 

Da es allerdings in den meisten Fällen schwierig ist, eine Einflussnahme nachzuweisen, sollten Sie zunächst mit einem Juristen für Erbrecht sprechen und ihm die genaue Sachlage darlegen. Wenn ihr Anwalt Chancen für die Anfechtung des Testaments  sieht, können Sie gemeinsam mit ihm alle weiteren Schritte einleiten.

Testament anfechten bei bei arglistiger Täuschung

Eine arglistige Täuschung des Erblassers ermöglicht ebenso eine erfolgreiche Testamentsanfechtung . In den meisten Fällen führt eine arglistige Täuschung zu einem Erklärungsirrtumoder Motivirrtum beim Erblasser 

Von einer arglistigen Täuschung spricht man, wenn ein Erblasser absichtlich über Tatsachen getäuscht wird und auf der Grundlage dieser Täuschung testamentarische Verfügungen trifft. In einem solchen Fall sollten Erben das Testament anfechten und ihr Recht durchsetzen.

Testament anfechten aufgrund Drohung

Wurde ein Testament vom Erblasser nur aufgrund einer Drohung in einer bestimmten Form verfasst, können Erben das Testament anfechten. Droht ein Kind seinen Eltern beispielsweise damit, ihre Hilfe- und Pflegeleistungen sofort einzustellen, wenn sie nicht im Testament als Alleinerbin aufgeführt wird, so liegt eine rechtswidrige Drohung vor. 

Wurde ein Testament aufgrund einer rechtswidrigen Drohung errichtet, erfolgt vom Erblassgericht normalerweise eine Erklärung über die Ungültigkeit des letzten Willens, weil das Testament nicht den freien Willen des Verstorbenen ausdrückt.

Testament anfechten bei bei Sittenwidrigkeit

Eine arglistige Täuschung des Erblassers ermöglicht das erfolgreiche Testament anfechten ebenfalls. In den meisten Fällen kommt eine arglistige Täuschung in Form eines Erklärungsirrtums, Inhaltsirrtums oder Motivirrtums vor. 

Von einer arglistigen Täuschung spricht man, wenn ein Erblasser absichtlich über Tatsachen getäuscht wird und auf der Grundlage dieser Täuschung testamentarische Verfügungen trifft. In einem solchen Fall sollten Erben das Testament anfechten und ihr Recht durchsetzen

Testament anfechten bei Drohung

Wurde ein Testament vom Erblasser nur aufgrund von Drohungen in einer bestimmten Form verfasst, können Erben das Testament anfechten. Droht ein Kind seinen Eltern beispielsweise damit, ihre Hilfe- und Pflegeleistungen sofort einzustellen, wenn sie nicht im Testament als Alleinerbin aufgeführt wird, so liegt eine Drohung vor. 

Wurde ein Testament aufgrund einer Drohung errichtet, erfolgt vom Erblassgericht normalerweise eine Erklärung über die Ungültigkeit des letzten Willens, weil das Testament nicht den freien Willen des Verstorbenen ausdrückt.

Testament anfechten bei Sittenwidrigkeit

Sittenwidrig ist ein Testament dann, wenn es gegen die grundsätzliche moralische und ethische Werte verstößt, beispielsweise wenn Erben eine Krankheit des Erblassers ausgenutzt haben, um ihn zur Testamentserstellung zu nötigen. Was genau als sittenwidrig zu qualifizieren ist, muss letztlich vom Gericht entschieden werden. 

Zu beachten ist hier außerdem, dass die Testamentsanfechtung wegen Sittenwidrigkeit nicht zwingend zur Nichtigkeit des ganzen Testaments führen muss. Betroffen sind meist nur die Teile, die sittenwidrige Verfügungen beinhalten.

Testament anfechten, wenn Pflichtteil nicht berücksichtigt wird

Nach dem Erbrecht in Österreich steht einem gesetzlich bestimmten Personenkreis jeweils ein bestimmter Teil des Erbes zu. Diese sogenannten pflichtteilsberechtigten Erben haben also auch dann Anspruch auf einen Teil des Nachlasses, wenn sie mittels  Testament oder Erbvertrag enterbt worden sind. 

Sollten die Pflichtteile der Pflichtteilsberechtigten im Testament nicht berücksichtigt werden, können sie das Testament anfechten, um den Anteil vom Erbe zu erhalten, der ihnen gesetzlich zusteht. Lesen Sie hier mehr über das Thema Pflichtteil und die Durchsetzung von Pflichtteilsansprüchen.

Testament anfechten, wenn Pflichtteilsberechtigter wegen Unkenntnis übergangen wird

Bei der Erstellung eines Testamentes kann es auch vorkommen, dass der Erblasser nichts von der Existenz aller Erbberechtigten weiß. Bleibt ein Pflichtteilsberechtigter im Testament unberücksichtigt, weil der Erblasser nichts von den Ansprüchen wusste, sollte der übergangene Erbe das Testament anfechten. 

Wie Erfolg versprechen das Testament anfechten in Österreich in einem solchen Fall ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Kann beispielsweise belegt werden, dass der Erblasser sein Testament auch mit dem Wissen über die Existenz des Erbteilberechtigten genauso verfasst hätte, gestaltet sich eine Testamentsanfechtung über den Pflichtteil hinaus äußerst schwierig.

Testament anfechten bei Bindung des Erblassers an frühere Erbverträge oder Testamente

Erblasser sind bei der Erstellung von Testamenten manchmal nicht nur wegen bestehender Pflichtteilsansprüche eingeschränkt, sondern oftmals auch, weil sie bereits an andere Verfügungen gebunden sind, beispielsweise an zuvor abgeschlossene Erbverträge oder gemeinschaftliche Testamente. Trifft ein Erblasser in einem neuen Testament Verfügungen, die Bestimmungen in vorherigen letztwilligen Verfüfungen zuwiderlaufen, ist das neue Testament in der Regel ungültig und Erben können das Testament anfechten.

Testament anfechten bei kurzfristigen Anpassungen

Von kurzfristigen Anpassungen bei Testamenten spricht man dann, wenn noch kurz vor dem Eintritt des Erbfalls Änderungen am Testament vorgenommen worden sind. Kann zu diesem Zeitpunkt von einer Testierunfähigkeit des Erblassers ausgegangen werden, können Sie als berechtigter Erbe das Testament anfechten. 

Auch, wenn der Verdacht im Raum steht, dass die kurzfristige Anpassung durch eine Drohung oder einen sonstigen Anfechtungsgrund zustande gekommen ist, lohnt sich das Testament anfechten in Österreich.

Testament anfechten bei Scheidung vom im Testament bedachten Ehepartner

Wenn ein Erblasser im Testament einen Ehepartner berücksichtigt hat, er von diesem aber zwischenzeitlich rechtskräftig geschieden wurde, ist ein Testament nicht automatisch ungültig. Allerdings liegen die Erfolgschancen einer Testamentsanfechtung hier  hoch. Wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Erblasser nach der Scheidung die Anpassung des Testaments lediglich vergessen hat, haben Erben gute Erfolgschancen, wenn sie das Testament anfechten und einen größeren Erbteil einklagen.

Testament anfechten bei Formfehler

Jedes Testament muss bestimmte Formerfordernisse erfüllen, um gültig zu sein. Besonders bei handschriftlichen Testamenten kommt es sehr häufig zu Testamentsanfechtungen wegen Formfehler. Fehlt beispielsweise eine Unterschrift oder ist eine Formulierung nicht eindeutig, reicht das zum Testament anfechten wegen Formfehler bereits aus.

Um zu vermeiden, dass Erben ein handgeschriebenes Testament anfechten, sollten Sie ein handschriftliches Testament unbedingt von einem Anwalt für Erbrecht prüfen lassen. So können Sie Erbstreitigkeiten von vornherein ausschließen. Wussten Sie, dass es neben dem Testament noch weitere Möglichkeiten gibt, seinen Nachlass zu regeln, beispielsweise  Schenkungen, einem Vermächtnis oder Vorausvermächtnis? 

Testament anfechten bei Fälschung

Sollte der Verdacht einer Testamentsfälschung bestehen, kann man das Testament anfechten. Weicht die Handschrift des Erblassers im Testament beispielsweise stark von der sonstigen Handschrift ab, wird meist ein graphologisches Gutachten erstellt, um die Echtheit des Testaments zu prüfen. 

Damit eine Testamentsanfechtung bei Fälschung allerdings erfolgreich ist, muss die Fälschung sicher nachgewiesen werden können, ein bloßer Verdacht reicht zur Anfechtung des Testaments nicht aus.

Testament anfechten bei Testierunfähigkeit

Die Testierfähigkeit ist in Österreich die Voraussetzung dafür, ein Testament rechtswirksam erstellen zu können. Testierfähig ist ein Erblasser dann, wenn er nachweislich selbstständig handeln kann und im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, sodass er fähig ist, eigenverantwortlich zu entscheiden und die Folgen seiner Entscheidungen richtig einzuschätzen.

Liegt die begründete Annahme vor, dass ein Erblasser zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments nicht in der Lage war, die Folgen seines Handelns einzuschätzen, so liegt  Testierunfähigkeit vor und Erben können das Testament anfechten. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Psychosen können ebenso zu einer Testierunfähigkeit führen wie beispielsweise Alterserkrankungen wie Demenz und Alzheimer.

Kann man ein Testament anfechten wegen Demenz oder Alter anfechten?

Weil Menschen mit Demenzerkrankung allmählich ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten verlieren, kann dies zu  Testierunfähigkeit führen. 

Oftmals bleibt die Krankheit unbemerkt und die Symptome sind nicht zu erkennen, da man Sie dem “normalen Altern” zuschreibt. Werden diese Anzeichen aber stetig schlimmer und wird schließlich eine Demenz nachgewiesen, so ist die erkrankte Person oftmals nicht mehr in der Lage, Rechtsgeschäfte abzuschließen und beispielsweise ein Testament selbstständig aufzusetzen.

Kann nachgewiesen werden, dass ein Testament entstanden ist als der Testator testierunfähig war, können Sie das Testament anfechten. Gerade bei einer Testamentsanfechtung wegen Demenz sind die Chancen auf eine erfolgreiche Testamentsanfechtung sehr hoch.

Wichtig!

Eine Testierunfähigkeit wegen Demenz muss medizinisch nachgewiesen werden. Wenn dies nicht mehr möglich ist, kann ein Gutachten im Nachhinein unter Umständen Aufschluss bringen.

Testament anfechten bei Erbunwürdigkeit des Erben

Erben können ein Testament anfechten, wenn sie einen eingesetzten Erben für erbunwürdig halten. Eine Person kann aus verschiedenen Gründen erbunwürdig sein. Eine Erbunwürdigkeit liegt beispielsweise vor, wenn ein Erbe den Erblasser arglistig täuschen wollte, einen Mordversuch begangen oder am Erblasser oder ihm nahestehenden Personen eine Straftat begangen hat.

Auch, wenn ein Erbe den Erblasser bis zu seinem Tod, beispielsweise durch die Gabe von Medikamenten, in einen Zustand versetzt hat, in dem es ihm nicht mehr möglich war, das Testament anzupassen, aufzuheben oder gar zu verfassen, kann er als erbunwürdig erklärt werden. Ist allerdings nachgewiesen, dass der Erblasser dem Erbunwürdigen noch zu Lebzeiten verziehen hat, ist eine Testamentsanfechtung wegen Erbunwürdigkeit nicht möglich.

Wichtig!

Ein Sonderfall der Erbunwürdigkeit kann bei Abhängigkeitsverhältnissen vorliegen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel, wenn eine Krankenschwester oder ein Altenpfleger als Erbe benannt wird. Ist dies geschehen, wird von einer unrechtmäßigen Vorteilsnahme durch ein Verhältnis in Abhängigkeit ausgegangen. Das heißt, dass diese Personen unberechtigt sind und andere Erben das Testament anfechten können.

Testament anfechten bei Unwirksamkeit des Testaments

Es kann vorkommen, dass ein Testament unwirksame Verfügungen enthält. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Verfügungen gegen das geltende Recht oder allgemein anerkannte moralische Werte verstoßen. Wichtig zu wissen ist hier, dass dann nur die Teile eines Testaments unwirksam sind, die die unwirksamen Verfügungen enthalten. Die anderen Teile bleiben  wirksam.

Wichtig!

Wer ein Testament anfechten möchte, braucht einen Anfechtungsgrund, den er auch nachweisen kann. Eine schlichte Unzufriedenheit und der Wunsch, mehr vom Nachlass zu erhalten, reichen für eine Testamentsanfechtung in Österreich nicht aus. Um sicherzugehen, bei einer Testamentsanfechtung die maximalen Chancen zu haben, sollte man sich im Zweifelsfall an einen erfahrenen und auf Erbrecht spezialisierten Anwalt wenden.

Wie läuft eine Testament Anfechtung ab?

Wer ein Testament anfechten möchte, sollte als erstes Kontakt zu einem Anwalt für Erbrecht aufnehmen und mit diesem gemeinsam den Anfechtungsgrund und die weitere Vorgehensweise besprechen.

Im Anschluss daran wird dann eine Erklärung über die Testamentsanfechtung beim Gericht eingereicht, woraufhin der Fall letztlich geprüft wird. Das Testament wird dann entweder ganz, teilweise oder gar nicht aufgehoben.

In manchen Fällen  ist eine Testamentsanfechtung von vornherein nicht vielversprechend. Ist ein Kind beispielsweise damit unzufrieden, dass es nur den Pflichtteil erhalten soll, lohnt sich der Versuch einer Anfechtung meist nicht. Wenn ein Erblasser im rechtlichen Rahmen verfügt hat, ist der Versuch der Testamentsanfechtung meist nicht erfolgversprechend

Mit welchen Kosten muss man bei einer Testamentsanfechtung rechnen?

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein Testament anzufechten, müssen Sie mit Kosten rechnen. Wie hoch die Testament anfechten Kosten im einzelnen ausfallen, kann pauschal nicht gesagt werden.

Die Kosten für eine Rechtsberatung bei einem Anwalt für Erbrecht sind in Österreich sind sehr unterschiedlich und können entweder nach Stundensatz, Pauschale oder dem Streitwert vereinbart werden. Ein Erstgespräch mit einem Anwalt macht auf jeden Fall Sinn, um erst einmal über die Chancen und Risiken aufgeklärt zu werden.

Welche Fristen sollte man beim Testament anfechten beachten?

Häufig stellt sich die Frage, wie lange man ein Testament anfechten kann. Gesetzlich ist  in Österreich festgelegt, dass ein Testament innerhalb von 3 Jahren angefochten werden muss. Diese Anfechtungsfrist beginnt, sobald der Erbberechtigte von den Inhalten des Testaments Kenntnis erlangt und seine Ansprüche kennt.

Ist die Frist verstrichen, kann der Erbe das Testament nicht mehr anfechten. Es ist also ratsam, sich rechtzeitig über seine Rechte zu informieren und die entsprechenden Schritte einzuleiten.

Worin besteht der Unterschied zwischen Testamentswiderruf und Testamentsanfechtung?

Der Unterschied zwischen einem Testamentswiderruf und einer Testamentsanfechtung liegt ganz klar darin, dass ein Testamentswiderruf nur vom Erblasser selbst vorgenommen werden kann, während eine Testamentsanfechtung von einem Erben angestrengt wird. Ein Testamentswiderruf muss also zu Lebzeiten des Erblassers und nur durch diesen selbst stattfinden.

Jeder Erblasser hat das Recht, sein Testament jederzeit ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Dieser Widerruf kann entweder stillschweigend geschehen, beispielsweise indem der Erblasser das Testament zerreißt oder Teile wegstreicht, oder der Erblasser setzt schlicht ein neues Testament auf, wodurch das alte seine Gültigkeit verliert. Ein Testament anfechten können nur Erben, nachdem der Erbfall eingetreten, der Erblasser also verstorben ist.

Benötige ich einen Anwalt für die Testament Anfechtung?

Niemand kann einen Erben dazu zwingen, für die Testamentsanfechtung die Hilfe eines Rechtsanwalts für Erbrecht in Anspruch zu nehmen. Allerdings ist es dringend empfehlenswert, das Testament anfechten als Laie nicht ohne professionelle Unterstützung anzugehen.

Ein Anwalt für Erbrecht kann Ihnen mit seiner Expertise helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und die Testament anfechten Chancen richtig einzuschätzen. Auch, wenn Sie ein Testament erstellen möchten, sollten Sie es zumindest vom Anwalt prüfen lassen, um Formfehler und eine spätere Testamentsanfechtung zu vermeiden.

Hinweis:

Eingetragene Lebenspartner sind Ehegatten gleichgestellt und haben ebenso wie sie einen Pflichtteilsanspruch. Einen Pflichtteil Geschwister und einen Pflichtteil Eltern gibt es im Erbrecht Österreich aber nicht.

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